
Meine Einsatzstelle war das Nikolaushaus in Kemondo. Ein Ort, der für mich über die Zeit zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Hier leben Kinder, die keine Familie haben oder nicht von ihr versorgt werden können – Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam. Genau das macht diesen Ort so besonders.
Mein Alltag war geprägt von den Kindern. Früh am Morgen begann der Tag mit Frühstück vorbereiten, Brote schmieren, Tee einschenken. Ich war dabei, wenn die Kinder in den Kindergarten gingen, habe mit ihnen gesungen, geklatscht, getanzt. Diese Momente voller Leichtigkeit und Freude haben den Tag getragen. Im Kindergarten wurde gespielt, gelernt und gelacht – ich habe vorgelesen, Zahlen geübt, kleine Fortschritte miterlebt. Besonders schön war es, die Kinder individuell zu fördern und zu sehen, wie sie wachsen.

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit war auch die Betreuung der Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen. Gemeinsam mit den Betreuerinnen habe ich Übungen gemacht, geholfen, Beweglichkeit zu fördern – und mit der Zeit konnte ich echte Fortschritte sehen. Diese kleinen Entwicklungen haben mir unglaublich viel bedeutet.
Auch der Alltag darüber hinaus war intensiv: Mittagessen ausgeben, beim Essen helfen, Hände waschen, Zähne putzen, spielen, trösten, lachen. Nachmittags wieder Kindergarten, draußen spielen, Hausaufgaben betreuen. Abends beim Waschen helfen, eincremen, umziehen, füttern, ins Bett bringen. Und dann ein leises „usiku mwema“ – gute Nacht. Tage, die oft ähnlich waren und doch jeder für sich besonders.
Es ist die Entspanntheit, die Spontanität, der Optimismus und die Herzlichkeit vieler Menschen, die mich hier so berührte. „Pole pole“ – alles zu seiner Zeit. Kein ständiger Stress, kein permanentes Streben nach mehr. Stattdessen Dankbarkeit für das, was da ist.
Ich habe gelernt, wie stark Gemeinschaft sein kann. Wie selbstverständlich geteilt wird. Wie wenig es braucht, um glücklich zu sein. Menschen, die selbst wenig haben, geben trotzdem – Zeit, Essen, Aufmerksamkeit. Dieses Miteinander hat mich nachhaltig geprägt.

Gleichzeitig habe ich auch erlebt, wie unterschiedlich Kulturen sind. Dinge, die für mich selbstverständlich waren, wurden hinterfragt. Andere Dinge musste ich lernen zu akzeptieren, auch wenn sie mir schwerfielen. Aber genau darin lag die Entwicklung: sich einzulassen, zu verstehen, ohne sofort zu bewerten.
Mein Blick auf Deutschland hat sich verändert. Ich sehe vieles kritischer, hinterfrage mehr. Vor allem unsere Schnelllebigkeit, den Druck, den wir uns selbst machen. In Tansania habe ich gelernt, im Moment zu leben und den Fokus auf das Gute zu legen. Diese Haltung möchte ich mir bewahren – auch wenn ich merke, wie schwer das im Alltag ist.
Was bleibt, ist eine tiefe Dankbarkeit. Für die Menschen, für die Erfahrungen, für dieses Jahr. Ich habe gelernt, dass es nicht die großen Dinge sind, die zählen, sondern die kleinen Momente. Die Begegnungen. Das Gefühl von Gemeinschaft.
Dieses Jahr hat mich verändert. Und auch wenn es vorbei ist – es wird immer ein Teil von mir bleiben.