
Im November war der “Día del Campo”. Für die Landwirtschaftsschule CEFA eine Riesensache, denn es kamen viele Schüler, Studenten, Interessierte und sogar der Minister für Landwirtschaft, um Infos zu bekommen, die Schule anzuschauen oder ein Ferkel zu kaufen. Wochenlang haben wir uns darauf vorbereitet, die Schule herausgeputzt und im Wald mit Macheten Gestrüpp entfernt, um Platz zu schaffen.
An einem Sonntag bin ich das Fußballfinale der Liga von Curuguaty im Stadion anschauen gegangen, zusammen mit der halben Familie von Don Dario. Seine Familie hat die CEFA mitgegründet und ist bis heute eng eingebunden – für mich ist sie inzwischen ein bisschen wie eine Gastfamilie. Die Stimmung war top und das Spiel mit einem Eis zu genießen war genial.
Beim Arbeiten in der Tierabteilung sind wir zu den Kühen auf die riesige Weide gegangen, um ein Kalb samt Mutter zum Stall zu bringen. Und wie geht das am besten? Richtig – auf dem Pferd! Wir haben die Pferde gesattelt und sind losgeritten, wie echte Cowboys. Als Kind wollte ich immer Cowboy sein – und jetzt reite ich in Südamerika über die paraguayische Prärie. Die rote Erde staubt unter den Hufen, der Schatten meines Sombreros im Gesicht. Das Lasso ist übrigens auch nützlich, wenn eine Kuh eingefangen werden muss – ich war ziemlich stolz, als ich ein Kalb damit erwischt habe.

Ende November habe ich dann das erste Mal Paraguay verlassen und bin nach Ciudad del Este ans Dreiländereck gereist. Dort konnte ich unter anderem das riesige Wasserkraftwerk Itaipú besichtigen und den beeindruckenden Monday-Wasserfall sehen. Besonders spannend war auch der Besuch in einer indigenen Guaraní-Gemeinschaft. Ciudad del Este hat mich überrascht – viel Initiative, moderne Ansätze und gleichzeitig sehr besondere Eindrücke.
Anfang Dezember haben die Abschlussklassen ihren Schulabschluss gefeiert – mit Diplomverleihung, vielen Fotos und einer großen Fiesta am Abend. Ich war etwas zu locker gekleidet unterwegs, aber es wurde trotzdem viel gelacht, gegessen und getanzt.

Während wir im Gemüsegarten arbeiteten, rückte Weihnachten näher. Weihnachtsstimmung musste ich mir selbst schaffen, weil vieles gefehlt hat, was ich von zu Hause kenne. „Feliz Navidad“ in Dauerschleife, Plastik-Weihnachtsbäume und sommerliche Temperaturen – das war schon ungewohnt. Gefeiert wurde hier vor allem im kleinen Kreis: mit Familie, gutem Essen und etwas Feuerwerk. Ich war am 24. bei Don Darios Familie eingeladen und habe mich dort sehr willkommen gefühlt.
Zwischen Weihnachten und Silvester war viel Arbeit angesagt. Ohne Schüler haben wir Lehrer alles übernommen – im Gemüsegarten pflanzen, gießen, Unkraut jäten und ein Drahtsystem für die Pflanzen bauen. Einmal mussten wir sogar Holz mit der Axt spalten, weil die Motorsäge kaputt war. Da konnte ich zeigen, dass auch ein Österreicher zupacken kann.
Die Hitze ist nach wie vor eine Herausforderung. Bei 35 bis 40 Grad zu arbeiten ist anstrengend, besonders wenn man schon beim Nichtstun schwitzt. Im Gewächshaus hatten wir einmal fast 50 Grad – das war schon grenzwertig. Aber mit viel Tereré lässt sich das gut aushalten.
Silvester habe ich wieder mit Don Darios Familie verbracht – ruhig, gemütlich und mit ein paar Böllern für die Kinder. Generell geht es hier bei den Festen weniger um das große Ereignis, sondern um das Zusammensein.